Traditionelle Techniken: Ganz und gar nicht verstaubt

Mitmach-Seminare sollen historisches Handwerkswissen für die Zukunft bewahren

Wie werden historische Türbeschläge und Türschlösser fachgerecht aufgearbeitet? Wie können Natursteine konserviert und restauriert und Sandsteine ergänzt werden? Wie hilft die Rollstempeltechnik bei der historischen Dekoration von Räumen? Und wie funktionieren Reparaturverbindungen an alten Holzkonstruktionen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen bekamen die Teilnehmer der Mitmach-Seminare „Historische Handwerkstechniken“.

Die Seminarreihe wurde 2015 von der Handwerkskammer Erfurt und dem Denkmalverbund Thüringen e.V. ins Leben gerufen. In den vier Kursen, die in diesem Jahr stattfanden, vermittelten erfahrene Fachleute wie Handwerksmeister und Restauratoren ihr vielfältiges praktisches Wissen und forderten die Gäste, darunter viele interessierte Handwerker aus dem Kammerbezirk, Ingenieure und Denkmalbesitzer, zum Ausprobieren auf. Auf diese Weise sollen Kenntnisse und Fertigkeiten traditioneller Handwerkstechniken in der Denkmalpflege bewahrt werden.

Vier Mitmach-Seminare im Jahr 2019

Der Auftakt der diesjährige Seminarreihe wurde auf dem Denkmalhof Gernewitz gGmbH in Stadtroda gemacht, auf dem eine große Sammlung von Türbeschlägen und Türschlossern zu finden ist. Metallbildner Jesko Bosse erläuterte die einzelnen Arbeitsschritte der Aufarbeitung. Im zweiten Schritt setzen die Teilnehmer das neu gewonnene Wissen praktisch um. Über dem Schmiedefeuer konnten fehlende Teile hergestellt und die Oberflächenstruktur gestaltet werden. Abgerundet wurde das Seminar durch Tipps zur Säuberung und zum Richten der Mechanik der Beschläge und Schlösser.

Das zweite Seminar fand im über 450 Jahre alten Jagdschloss „Zur Fröhlichen Wiederkunft“ in Wolfersdorf im Saale-Holzlandkreis statt, in dem sich die Teilnehmer von der Sanierung überzeugen konnten. Im Mittelpunkt stand die Steinergänzung für Sandsteine. Diplom-Restaurator Hendrik Romstedt erläuterte verschiedene Materialsysteme und stellte die wichtigsten Kennwerte gegenüber. In einer praktischen Übung lernten die Teilnehmer die richtige Handhabung und die Besonderheiten der Erhärtung von Steinergänzungsmörteln.

Das dritte Seminar führte in das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden, wo der Maler, Künstler und Fachautor Birger Jesch historische Raumdekoration mit der Rollstempeltechnik vorführte. Dazu brachte er einige seiner 124 Musterwalzen mit nach Hohenfelden. Auch in diesem Kurs wurden Theorie und Praxis verbunden: Nach einer kurzen Einführung legten die Teilnehmer selbst Hand an. Sie trugen die Grundanstriche auf die Tapetenrückseiten auf, auf denen dann erste Versuche mit den Musterwalzen unternommen worden. Danach wagten sie sich an großformatige Zeichenkartonplatten. Sie mussten die richtige Mischung aus Lasur und Druckfarben finden und die Musterwalzen richtig ansetzen. Mit Hilfe dieser Technik aus dem 20. Jahrhundert, die aktuell wieder neu entdeckt wird, entstanden viele Unikate.

Abgerundet wurde die Seminarreihe durch den Kurs „Reparaturverbindungen historischer Holzkonstruktionen“. Zimmermannsmeister und Restaurator Michael Stacke erläuterte auf dem Denkmalhof Gernewitz die Herstellung einer solchen Konstruktion und erklärte die Reparaturverbindungen von Deckenbalken, Sparren, Kehlbalken, Rähm, Schwelle, Ständer, Riegel und Strebe ausführlich. In der Übung fügten die Teilnehmer unterschiedliche Verbindungen zusammen, wobei viel über herkömmliche und unkonventionelle Lösungsansätze diskutiert wurde.

Extrakt aus:

Deutsche Handwerkszeitung (DHZ), Ausgabe 23 vom 6. Dezember 2019, 71. Jahrgang,  Seite 8