Renaissanceschloss Ponitz

Schloss Ponitz

Schloss Ponitz

Erläuterungen zum Objekt

Vorstellung des „Renaissanceschlosses Ponitz“

Das Rittergut Ponitz gehörte nach dem Umfang seines Grundbesitzes, wie seiner Gerichtsbarkeit, zu den bedeutendsten, nach seiner Lage und Umgebung zu den anmutigsten im Herzogtum Altenburg.
Das Kirchenpatronat und die Collatur über Pfarrei und Schule hat ebenfalls seit frühen Zeiten zum Rittergut gehört*.
Neben der geschichtlichen Bedeutung liegt der Wert des Objektes in den noch vorhandenen bauzeitlichen Renaissancekassettendecken, von denen eine bereits restauriert werden konnte.
Das Rittergut bildet mit dem Park, den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, dem Schlosshof und der gegenüberliegenden barocken Friedenskirche das unmittelbare Zentrum und den kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde.

Die erste urkundliche Erwähnung des Rittergutes Ponitz stammt aus dem Jahr 1254. Hier wird der Ritter Fridericus de Ponicz als Zeuge bei einer das Kloster Remse betreffenden Verhandlung benannt.
Die Herren von Ponitz wurden vom Geschlecht derer von Wissinbach oder Weissenbach abgelöst. Diese hatten das Rittergut aber nur relativ kurze Zeit in Besitz, da sich schon 1418 der Rittersitz in den Händen der Familie von Ende befand.
Die Familie von Ende verkaufte das Rittergut 1568 an Abraham von Thumbshirn, Rat des Kurfürsten August von Sachsen.
A. v. Thumbshirn war Visitator der kurfürstlichen Vorwerke. Von ihm überliefert
ist eine ökonomische Schrift „Oeconomia, oder nothwendiger Unterricht vom Haushalten“ die Kurfürst August noch vor Drucklegung im Manuskript auf seine Vorwerke verteilen ließ.

Unter Abraham von Thumbshirn erfolgte der Umbau bzw. Erweiterungsbau des Herrenhauses im Stil der Renaissance, wobei vorhandene Bausubstanz mit einbezogen wurde (z.B. spätgotisches Sitznischenportal). In dieser Zeit entstanden vermutlich auch die im 1. Obergeschoss vorhandenen Kassettendecken.

Der berühmteste Vertreter der Familie Thumbshirn, die in männlicher Linie von 1568 bis 1711 Besitzer von Ponitz waren, war Wolfgang Conrad von Thumbshirn ( geb. 28. April 1604), der 1643 von Herzog Friedrich Wilhelm II. von Sachsen Altenburg mit Ponitz beliehen wurde. Er studierte von 1623 bis 1632 in Leipzig und Tübingen Jura. Im Anschluß daran diente er in einem kursächsischen Infantrieregiment. Von 1632 bis 1639 hat er als Hofmeister einen jungen Fürsten von Anhalt unterrichtet.
1639 wurde er als Hof- und Justizrat in Altenburg angestellt, wo er, besonders in diplomatischen Geschäften erprobt, bis zum Geheimrat und Kanzler stieg.
Als kurfürstlicher Bevollmächtigter nahm er an den Friedensverhandlungen zur Beendigung des 30jährigen Krieges in Münster und Osnabrück teil, wobei er von 1647 bis 1649 das Direktorium im evangelischen Fürstenrat inne hatte.

Am 14. Oktober 1648 war er Mitunterzeichner des Friedensvertrages (instrumentum pacis) zur Beendigung des 30jährigen Krieges.
Wolfgang Conrad von Thumbshirn verstarb am 24. November 1667 in Altenburg.
Damit ging der Besitz an seinen Sohn Christian Wilhelm von Thumbshirn über, der im Jahre 1711 ohne Erben verstarb, wodurch das Rittergut an die Schwestern und Schwesterkinder von Christian Wilhelm fiel.
1728 erbten die Schwestern Dorothea Elisabeth, verw. v. Schönberg und Christiane Sybille, verehel. Edle von der Planitz das Rittergut. Diese beiden Damen waren auch die Auftraggeber für den von Gottfried Silbermann aus Freiberg 1737 erfolgten Orgelbau.* Diese Orgel, die fast unverändert erhalten ist, erfreut auch heute noch die Konzertbesucher aus nah und fern.

Nach dem Tod der beiden Damen fanden noch mehrere Besitzerwechsel statt. Die letzten privaten Besitzer waren die Familie Mälzer, die nach dem 2. Weltkrieg im Rahmen der Bodenreform enteignet wurden.
Seit dieser Zeit befindet sich das Rittergut im Besitz der Gemeinde Ponitz.
Nach der Wende wurde mit umfangreichen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten begonnen die bis zum heutigen Tage andauern und die nur durch die Bereitstellung finanzieller Mittel durch das Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Marlis Kressner Stiftung und die Gemeinde Ponitz möglich waren.

Seit 1998 bemüht sich auch der Förderverein Renaissanceschloss Ponitz e.V. mit einer jährlichen Konzertreihe, Ausstellungen und verschiedenen Sonderveran-staltungen, das Schloss mit Leben zu erfüllen und Vorhaben zum Wohle des Schlosses finanziell zu unterstützen. Realisiert werden konnte bereits die Anschaffung einer neuen Bestuhlung für den Festsaal „Marlis Kressner“ und die Generalreparatur des im Festsaal vorhandenen Flügels. Weitere Projekte des Fördervereines waren die Sanierung des Wendelsteines im 2. Obergeschoss und die Nutzbarmachung der Schlosskeller.

Gegenwärtig bemüht sich der Förderverein um die Beschaffung finanzieller Mittel zur Realisierung eines Behinderten gerechten Zuganges, der auch den Einbau eines Aufzuges beinhalten soll.

Weitere Informationen über die Arbeit des Fördervereines sind unter
www.renaissanceschloss-ponitz.de abrufbar.

Literatur: * Die Eporien Altenburg und Ronneburg als erste Abtheilung der Kirchen-
Galerie des Herzogthums Sachsen-Altenburg Lieferung 61, S. 356 ff

vertreten durch das Mitglied:

Förderverein Renaissanceschloss Ponitz e.V.
Ansprechpartner/in: Dr. Roland Mehlig
Ponitz