Schloss Todenwarth

Schloss Todenwarth

Schloss Todenwarth

Erläuterungen zum Objekt

„Todenwarth – Totewart – Dodenwart – Tattenwarte“ oder sogar „Dote Water“ sind nur einige der Bezeichnungen für die Warthe auf dem 35 bis 40 Meter nordöstlich des Zusammenflusses von Schmalkalde und Werra aufragenden Sandsteinsporn. Aktuellste Deutung - ein historisch und denkmalpflegerisch versierter Schmalkalder sagte mir kürzlich, der Begriff käme aus dem Germanischen und bedeute einfach „Alte Warthe“. Die Bedeutung der Warthen im Mittelalter dürfte allgemein bekannt sein. Wenn jedoch in frühesten erhaltenen Nachrichten schon von „alter Warthe“ geschrieben wurde, muß ihre Geschichte wesentlich älter sein. Vermutlich ist sie deutlich älter als die Gemeinde Fambach, zu der sie seit Jahrhunderten gehört und die auf der geographisch nicht sehr korrekten Mercator-Karte gar nicht erscheint.
Mit Datum 5. Februar 1318 wird von einer Beratung auf der „Dodewart“ über den Abschluss eines Landfriedens auf Todenwarth berichtet zwischen Landgraf Friedrich dem Freudigen, den Bischöfen von Würzburg und Naumburg, dem Dompropst von Meißen, Grafen zu Waldeck Schwarzburg und anderen. Erwähnung findet die Warthe auch im Frankensteinschen Kaufbrief 1330, und 1344 verkaufte Hernid von Schwallungen „sein Dorf bei der wart“ an den Abt des Klosters Herrenbreitungen.
Im Jahre 1427 belehnt Graf Wilhelm IV. von Henneberg Hans Wolff „erneut mit der totewart“ (Henneberger Urkundenbuch). 1515 berief Graf Wilhelm von Henneberg die Brüder Anton und Hans Wolff und ihre zwei Neffen dorthin mit der Bedingung: „Es sollte einer von ihnen immer auf der Tottenwarte wohnen, die Warte und Landwehr auf- und zuschließen, in redlichem Wesen halten und versehen“. Als Grenzwarte zwischen thüringischem und fränkischen, später hennebergischem bzw. hessischem und sächsischen Territorium hatten die Lehensmänner der Grenzfeste Todenwarth Jahrhunderte lang für einen reibungslosen „Grenzverkehr“ zu sorgen, sowie nachts und bei Gefahr die damals durch die Warthe verlaufende Straße mit schweren Toren zu verschließen. Vom 17. bis 19. Jahrhundert war Todenwarth mit seinen Ländereien Gutshof.
Die „Wölffe“ wurden geadelt und 1637 in den Reichsfreiherrenstand erhoben, das dazu verliehene „vermehrte und verbesserte Wappen“ ist in der Fambacher Kirche zu sehen. Nachfahren wurden immer wieder mit diesem Gut belehnt, ihr Besitz war es noch bis 1919.

Zeugnisse für Schäden im Bauernkrieg sind nicht bisher nicht gefunden. Im 30-jährigen Krieg jedoch wurde Todenwarth anscheinend weitgehend zerstört. Von der südöstlichen Kemenate (Grenzpunkt der Schmalkalder Landwehr) blieb nur das Sandsteinerdgeschoss erhalten, wurde 1908 als „Villa“ aufgebaut (heute Autoservice Bahrt).Vom „Alten Haus“ (heute „Schloß“ Todenwarth) blieb vermutlich nicht viel mehr übrig als die Gewölbekeller und die massiven Mauern des Erdgeschosses, die die ursprüngliche Gestalt nur ahnen lassen. An der Nordostecke vorspringend blieben Reste eines kleinen Turmes mit frühen Schlitzscharten (vermauert) nach Nord, Ost und Südost, als "Turmstumpf" in der entsprechenden Literatur.
Der Standort des im Mittelalter sicher vorhandenen Bergfrieds, also der ursprünglichen Warthe, ist noch unbekannt. Von weiteren Gebäuden fanden sich Mauerreste, vielfältig auch unter dem Rasen. In die Einfriedung des Geländes (die 6.500m² sind von einer bis zu 6m hohen, an der Krone ca. 90cm dicken Sandsteinmauer umschlossen) war sicher auch manche Bresche geschlagen, vielleicht fiel das nordöstliche Tor mit seiner Umbauung auch den Kriegshorden zum Opfer.
Nach den Zerstörungen im 30-jährigen Krieg schnell wieder bewohnbar gemacht, wurde in den folgenden Generationen mehrfach umgebaut, die Anlage der nunmehrigen Funktion als Gutshaus angepasst.


Nach dem 1. Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen verkauft, wechselte die Warthe mehrfach den Besitzer, die meisten Felder wurden nach und nach verkauft, wie auch die große Scheune, die in Fambach wieder aufgebaut sein soll. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Anlage geteilt, der damalige Besitzer vermachte das 1908 aufgebaute südliche Haus (das „Scheunenschloss“ genannt, es war nach dem 30-jährigen Krieg über 250 Jahre Scheune) mit einem Teil der restlichen Grundstücke seiner Haushälterin. Das „Alte Haus“, zu dem neben 2/3 des Grundes innerhalb der Mauer auch der Steilhang zur Werra gehört, wechselte nach dem Tod des Eigentümers (1951) wieder mehrfach den Besitzer. Vielen Umsiedlern war es nun neue Heimat, das „Burggelände“ wurde eine Ansammlung von Kleingärten mit Kaninchenställen und Toilettenbuden. Bis Anfang der 70er Jahre waren die Besitzer bemüht, die schlimmsten Schäden reparieren zu lassen. Danach begann der eigentliche Verfall. Die Struktur der Bewohner hatte sich auch geändert, aus umliegenden Ortschaften wurden Menschen eingewiesen, deren soziale Struktur nicht in die geschlossenen Gemeinden passte.
Neuer Besitzer ab 1987 wurde eine Familie aus Eisenach. Mit Hilfe der Denkmalpflege wurden Teile der Mauer wiederhergestellt, das Dach abgedichtet, Dachrinnen und Dachentwässerung erneuert. Mit Familie Halbig haben 1997 wieder Todenwarth-Nachfahren den alten Familiensitz zurückgekauft. Seit dem Jahr 2000 können nicht nur zum Tag des Offenen Denkmals die Restaurierungsfortschritte auf Todenwarth besichtigt werden.

Dr. Jochen Halbig

vertreten durch das Mitglied:

Freundeskreis Todenwarth e.V.
Ansprechpartner/in: Dr. Jochen Richard Halbig (Beirat)
Fambach