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Nachruf Prof. Rudolf Zießler

30.01.2016 | Der Denkmalverbund Thüringen e.V. trauert um sein Ehrenmitglied und den Namensgeber der Rudolf-Zießler-Ehrennadel, Herrn Prof. Rudolf Zießler.

Preisträger Ulrich Schubert und Prof. Rudolf Zießler (2012)

Preisträger Ulrich Schubert und Prof. Rudolf Zießler (2012)

Mit dem Tod von Herrn Prof. Rudolf Zießler verliert der Denkmalverbund Thüringen e. V. das hochgeschätzte Ehrenmitglied und einen jahrzehntelangen Förderer und Kämpfer für die Denkmalpflege.

Der am 07.08.1934 in Morgenröthe-Rautenkranz geborene Rudolf Zießler studierte an der Universität Greifswald Kunstgeschichte. Nach seinem erfolgreichen Abschluss war er ab 1958 ununterbrochen in Fachbehörden für Bau- und Kunstdenkmalpflege tätig, zunächst im Institut für Denkmalpflege Dresden und ab 1963 im Institut für Denkmalpflege Erfurt.

Mit dem Aufbau des Instituts für Denkmalpflege Erfurt (zuständig für die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl – heutiger Freistaat Thüringen) mussten umfangreiche Aufgaben gelöst werden.

Als stellvertretendem Institutsleiter galt es für Rudolf Zießler nicht nur die personellen und materiellen Bedingungen zu schaffen, die für wissenschaftlich-fachliche Tätigkeiten notwendig sind. Darüber hinaus mussten auch vielfältige Aktivitäten entwickelt werden, die für eine erfolgreiche Denkmalpflege Voraussetzung sind. Dazu gehörten unter anderem:

  • das Einwerben von Fördermitteln,
  • die Befähigung und Gewinnung von Fachkräften,
  • die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gebietskörperschaften sowie den Kirchenbauämtern und kirchlichen Werkstätten,
  • die Unterstützung von gesellschaftlichen Organisationen, insbesondere die Gesellschaft für Denkmalpflege mit ihren vielen Interessengemeinschaften,
  • die Erfassung des Denkmalbestandes und dessen Zustand,
  • die Veranlassung von Sicherungsmaßnahmen für gefährdete Denkmale,
  • die Unterstützung von Eigentümer und Behörden bei denkmalpflegerischen Leistungen.

Trotz schwieriger Bedingungen gelang es Rudolf Zießler, durch Ideenreichtum, Beharrlichkeit, Ausdauer und Pragmatismus sehr große Erfolge zu erzielen. Dies gilt insbesondere für die Forschungstätigkeit, die Bereitstellung von Fördermitteln, die konzeptionellen und praktischen Lösungen von komplizierten und langfristigen Aufgaben. Das Ringen um die Erhaltung und Instandsetzungen von gefährdeten Denkmalen kennzeichnen seine Arbeit ebenso wie die Durchsetzung der Restaurierung wertvoller Details in Schlössern, Kirchen, Fachwerkbauten und anderen Denkmalen.

Dank seines konsequenten und unnachgiebigen Wirkens gegenüber Denkmaleigentümern und Behörden blieb eine Vielzahl von wertvollen Objekten und besonderen Details für Thüringen erhalten. Parallel zu diesen praktischen Aufgaben leistete Rudolf Zießler umfangreiche Forschungsarbeiten zu verschiedenen Themen, die publiziert sind und bei Berufs- und Fachkollegen hohe Wertschätzung finden.

Aufgrund seines hohen Fachwissens, seines konsequenten Einsatzes zur Erforschung und Erhaltung des Denkmalbestande sowie seiner Integrität wurde Rudolf Zießler 1991 von der neuen Landesregierung zum ersten Landeskonservator des Freistaates Thüringen ernannt.

Die neuen Bedingungen, sein Verantwortungsgefühl und seine Leidenschaft beflügelten Rudolf Zießler und lösten viele Initiativen aus, die in der Deutschen Denkmalpflege einmalig sind, und die in Thüringen die Denkmalpflege in den Mittelpunkt der Kulturpolitik des Freistaates rückte. In enger Zusammenarbeit mit der Landesregierung, den regionalen Gebietskörperschaften und Fachverbänden wurden die Voraussetzungen für eine erfolgreiche moderne Denkmalpflege geschaffen. In vielfältigen Bereichen hat er Aktivitäten entfaltet, deren nachhaltige Wirkung heute noch konkret in der Denkmalpflege Thüringens ausstrahlt.

Zu den besonderen Verdiensten von Rudolf Zießler gehören in diesem Zusammenhang unter anderem:

  • Die Aufstockung des Fachpersonals des Landesamtes um 100 %.
  • Zusätzlicher Einsatz von freien Mitarbeitern zur Erforschung bestimmter Themenkomplexe oder ausgewählter Denkmale bzw. Ausstattungen.
  • Umfassende Unterstützung bei der Erarbeitung eines Konzeptes zur Sicherung des Denkmalbestandes für ganz Thüringen und einen Zeitraum von 10 Jahren.
  • Einwerbung von Fördermitteln zur Realisierung des Konzeptes aus unterschiedlichen Quellen (mit diesem Konzept wurden jährliche Fördermittel von 130 Mio. DM begründet, die in den ersten Jahren auch zur Verfügung standen).
  • Die Beauftragung von Restauratoren zu Untersuchungen und zur Durchführung von Restaurierungsleistungen, die deren wirtschaftliche Existenz sicherte und zugleich dazu diente neu Fachkräfte auszubilden.
  • Die neu entwickelte Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen (z. B. die Erarbeitung von Studien oder Abschlussarbeiten von Studenten oder die Lehrtätigkeit von Wissenschaftlern des TLDA an den Bildungseinrichtungen). Rudolf Zießlers wissenschaftliche Arbeit wurde 1995 mit einer Honorarprofessur am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena geehrt.
  • Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsverbänden und der Erfahrungsaustausch mit den Nachbarländern haben durch Rudolf Zießler eine neue Qualität erhalten und sich positiv auf die Fachbehörde und die Denkmalpflege in Thüringen ausgewirkt.

Prof. Rudolf Zießler engagierte sich mit hohem persönlichen Einsatz vier Jahrzehnte für die wissenschaftliche Arbeit in den Fachbehörden und die Denkmalpflege in Thüringen, seine Spuren sind in ganz Thüringen zu finden und spiegeln die großartigen Ergebnisse wider. 1999 trat er in den Ruhestand.

Prof. Rudolf Zießlers Einsatz und Leistungen sind für den Denkmalverbund Vorbild und Verpflichtung. Mit der Ehrennadel, die in Anerkennung seines Lebenswerks und seiner Person seinen Namen trägt, ehrt der Denkmalverbund Akteure, die sich in seinem Sinne für den Erhalt der Denkmallandschaft Thüringens maßgeblich eingesetzt haben.