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Bewahrt Wilhelmsthal!

03.12.2011 | Mit großem Befremden nimmt der Denkmalverbund Thüringen e.V. davon Kenntnis, dass das Land Thüringen durch die Verweigerung eines bereits zugesagten Zuschusses das einmalige Schloss Wilhelmsthal dem vielleicht endgültigen Verfall preisgeben will.

Mit großem Befremden nimmt der Denkmalverbund Thüringen e.V. davon Kenntnis, dass das Land Thüringen durch die Verweigerung eines bereits zugesagten Zuschusses das einmalige Schloss Wilhelmsthal dem vielleicht endgültigen Verfall preisgeben will.
Die ungewöhnlichste Schlossanlage Thüringens steht nur wenige Kilometer südlich von
Eisenach, mitten im schönsten Hochwald. Das Ungewöhnliche dieses ehemaligen Jagdschlosses besteht darin, dass der Eisenacher Herzog Johann Wilhelm sich von seinem Oberbaumeister Johann Mützel eine axiale, streng geometrische Anlage errichten ließ, die von einem Corps de Logis und elf weiteren Pavillons flankiert wurde. Zwischen 1710 und 1729 war dies die Sommerresidenz des Eisenacher Hofes. Als nach dem Aussterben der Eisenacher Herzogslinie 1741 Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar die Macht im Herzogtum übernahm, beauftragte er sofort seinen Hofbaumeister Gottfried Heinrich Krohne, der bereits mit dem Neubau des Residenzschlosses in Eisenach befasst war, auch Wilhelmsthal umzubauen. Krohne veränderte die vorgefundene Anlage deutlich, riss Häuser ab, modernisierte die Zufahrtswege, schloss die Anlage an den Achsen ab und veränderte die Ausstattung der Häuser. Für den leidenschaftlichen Jäger Ernst August war die herrliche Umgebung, für die man auch Begeisterung zeigen kann, wenn man kein Jäger ist, ein idealer Platz. Unter Carl August von Sachsen-Weimar brach eine neue Zeit für Wilhelmsthal an. Seit 1795 begann die Umgestaltung des Geländes zu einem Landschaftspark. Die Pavillonreihe bekam ihren bekannten Abschluss durch eine Toskanische Säulenhalle. 1840 bat die Großherzogin Maria Pawlowna den Landschaftsplaner Eduard Petzolt um ein Gutachten für die Umgestaltung der Freianlagen des Schlosses, dessen Vorschläge jedoch nicht verwirklicht wurden. Ihr Sohn Carl Alexander griff das Thema wieder auf und bat den Fürsten Hermann von Pückler-Muskau um Vorschläge, gleichzeitig übrigens mit seinen Planungen für den Ettersburger Park. Sein Schüler, der Hofgärtner Hermann Jäger, griff in den Jahren 1853/54 viele von Pücklers Vorschlägen auf und begann mit den Veränderungen des Parks. Fürst Pückler kam eigens nach Eisenach, von wo er täglich nach Wilhelmsthal fuhr, um mit Jäger zu arbeiten. Die Ergebnisse müssen beeindruckend
gewesen sein, denn Carl Alexander verbrachte alljährlich im Juli, in dem es in Wilhelmsthal am schönsten war, ein paar Wochen in diesem Parkidyll, zu dem er sich noch einen Reitweg von der Wartburg aus anlegen ließ.
Im späten 19. Jahrhundert ging die Akzeptanz und Bedeutung Wilhelmsthals für das Herzogtum zurück, offenbar überstrahlte die inzwischen auf Betreiben Carl Alexanders umfassend sanierte Wartburg den Ruf Wilhelmsthals. Wilhelmsthal und Wartburg blieben allerdings bis 1919 eine Art Nebenresidenz für den Weimarer Großherzogshof. Die Wartburg diente der historisierenden Repräsentation, Wilhelmsthal als Wohnaufenthalt. Seit dem Ende des 1. Weltkrieges und des Großherzogtums verfiel die Anlage – unter verschiedenartigen Nutzungen – immer weiter. Sie hat wegen ihrer Größe auch nach der Wende keine Nutzung gefunden, obgleich es naheliegt, die einzelnen Bauten separat einer Nutzung zuzuführen. Ein einzigartiges bauliches Juwel könnte darüber zu Grunde gehen, falls sich dieser Zustand nicht bald ändert.
Das Land Thüringen sollte sich wenigstens seiner Pflicht bewusst sein, kurzfristig soviel finanzielle Unterstützung zu geben, um den schlimmsten Verfall zu verhindern, vor allem um die Decke des Telemann-Saales zu sanieren.